Die Jahrgänge
Jahrgang 2006
Auch 2006 war recht feucht während des Sommers und im Frühherbst. Wie im Jahr zuvor ein ideales Klima für Pilze! Die Pizsammler waren begeistert! Wir Winzer etwas weniger! Der Falsche Mehltau (Peronospora) wütete wiedereinmal, konnte jedoch durch unseren Pflanzenschutz mit Kupfer, Wasserglas und Gesteinsmehlen etc. in Schach gehalten werden. Unsere Hoffnung einen goldenen September und Oktober zu erhalten war leider etwas gedämpft: Es regnete und sämtliche Burgundersorten wurden in kürzester Zeit von Botrytis (Edelfäule) befallen. Zudem waren verschiedenlich Essigtrauben gut auszusortieren. Die Pilztoleranten Rebsorten waren in der Regel auf Lockerheit gezüchtet und machten entsprechend weniger Sortierarbeit wie die Burgundersorten oder der Riesling. Um unsere Trauben vor dem Zusammenfaulen zu retten, stellten wir einen neuen Rekord auf: In gerade mal fünfzehn Tagen holten wir nonstop (einschließlich Sonn- und Feiertage) unsere Trauben rein. Die Weine präsentieren sich trotz geringerem Alkohol schön reif mit genügend Stoff. Auch solche Jahrgänge braucht man im Keller!
Jahrgang 2005
Das Jahr 2005 war geprägt durch genügend Feuchtigkeit. Fast noch nie war unser Garten so grün und satt. Ein ideales Klima für Pilze! Entsprechend hatten die Winzer ihre liebe Not mit den eingeschleppten Rebpilzen wie dem Falschen Mehltau (Peronospora) und dem Echten Mehltau (Oidium). Eine echte Herausforderung für den Biowinzer. Zu Anfang des Herbstes hofften wir, daß es einen goldenen September und Oktober geben würde, aber mitten in der Reifephase unserer Burgundersorten war es einfach zu nass, sodaß sich ein anderer Bodenpilz (Botrytis) in die Trauben einnisten konnte und so zu Sauerfäule führte. Neben Gesteinsmehl- und Wasserglasausbringung war Ausdünnen, bzw. Traubenhalbieren die einzige Möglichkeit für uns Biowinzer dem Botrytispilz entgegenzuwirken, zumal bei uns keine Imprägnierungsmittel, sogenannte Botrytizide gespritzt werden. Beim Traubenhalbieren werden übrigens fast zweidrittel der Traube abgeschnitten. Unser Jungfernwein vom Cabernet Carol begeistert alle. Duft nach weißem Pfeffer, etwas Paprika, schwarze Johannisbeeere, vollmundig, fast schon opulent lassen für die Zukunft einiges erwarten. Seine kräftigen Tannine müssen allerdings noch ein paar Jahre reifen. Momentan (September 2006)reift er noch im 350 Liter Barrique. Die Weißweine sind ganz ordentlich geworden, unser Riesling begeistert uns allerdigs ebenso. Unser Spätburgunder Weißherbst hatte anfangs einen kräftigen Böckser, nach zweimaligem Lüften und einer homöopatischen Behandlung mit Cuprum metallicum D6 präsentierte er sich deutlich besser. Wir werden sehen wie sich unsere Weine machen werden.
Jahrgang 2004
Auch 2004 war ein sehr guter Jahrgang für Weiß- und Rotweine. Nach dem säurearmen 2003er freute man sich vor allem auf die tollen Weißweine. Aber auch die Rotweine haben es in sich. Ohne sprittig oder brandig zu wirken zeigen sie ihre enorme Fülle. Sie reifen momentan noch im Keller, sind aber nahezu füllfertig.
Jahrgang 2003
Ein Jahrhundertsommer wie 2003 bietet für den Weinbau Chancen ebenso wie Probleme. Das Jahr war geprägt durch einen sehr frühen Austrieb. Die Blüte verlief aufgrund guten Wetters sehr gut, sodass sie bereits an Pfingsten abgeschlossen war. Der Vegetationsvorsprung hat sich auf gute 3 Wochen ausgedehnt. Die Traubenbeeren nahmen an Größe sehr rasch zu, so dass bereits Mitte Juli die Trauben schon bereits dick und kompakt waren (Traubenschluss).
Die ungewöhnlich lange Sommertrockenheit hatte am anfangs nur den jungen Reben zu Schaffen gemacht, da bei ihnen das Wurzelwerk noch zu gering ausgebildet ist. Normalerweise fallen in dieser Region im Juni – Juli die meisten Jahresniederschläge. Um die zweijährigen Rebchen zu retten, waren wir deshalb gezwungen, zu bewässern. Ertragsanlagen hatten erst am Ende der Trockenheit etwas Probleme, so dass insgesamt der Vegetationsvorsprung sogar noch ausgebaut wurde. Der Zuckergehalt stieg in bislang unerreichte Höhen, die Säure allerdings wurde veratmet, so dass säurearme Weine wie Müller-Thurgau oder Gewürztraminer dieses Jahr etwas weniger erfrischend schmecken werden. Die säurebetonteren Sorten wie Riesling oder Burgunder werden bei hohem Alkoholgehalt etwas milder und gefälliger ausfallen als in anderen Jahren.
Das sehr heiße und trockene Wetter ließ die Beeren bereits Anfang August weich werden, so dass die Lese 4 Wochen früher als in normalen Jahren anfing. Die frühreife Sorte Solaris konnte bereits am 19. August mit 105° Oechsle gelesen werden. Unser Traubensaft aus Phönix, Riesling und Regent wurde am 29. August gelesen. Der Jahrgang 2003 ist ein Spitzenjahrgang der sich vielleicht sogar zu einem Jahrhundert- oder gar einem Jahrtausendjahrgang entwickeln kann.
Freuen Sie sich auf die frisch abgefüllten Weine, Sie werden begeistert sein! Durch die Reifung der Weine im Holzfaß und auch in kleinen Barriques erhielten die Weine genügend Rückgrat, um nicht brandig zu wirken. Zum Wohl!
Jahrgang 2002
2002 war ein guter bis sehr guter Jahrgang. Die hohen Temperaturen zu Beginn des Herbstes in Verbindung mit einem etwas stärkerem Insektenbefall und der späteren kurzen Regenperiode waren die Grundursache für eine verstärkte Essigfäule
(Übertragung durch Fruchtfliegen und Wespen). Probleme damit traten in unserem Betrieb zum Glück nur im geringen Maße auf. Zum einen ist dies auf eine moderate Düngung zurückzuführen,
zum anderen auf die Spritzung von Gesteinsmehl und Kieselsäurepräparaten, welche zu einer Verhärtung der Beerenhaut führten. Durch ausgesprochene Selektionslese konnten wir ein Übergreifen auf den Wein verhindern. Die Weinqualität war dennoch sehr zufriedenstellend.
Jahrgang 2001
Auch 2001 war ein sehr guter Jahrgang für Weiß- und Rotweine. Ein besonderer Wein ist unsere Spätburgunder Spätlese vom Oberrotweiler Henkenberg der unserer in diesem Herbst geborenen Tochter Rosalie gewidmet ist.
Jahrgang 2000
Auch dieser Jahrgang war ein schwieriges Pilzjahr. Dennoch sind wir mit seinem Ergebnis sehr zufrieden. Es ist kein sehr guter Jahrgang aber Rot- wie Weißweine überzeugen. Die Rotweine sind bereits jetzt deutlich reifer als die des 99er Jahrgangs.
Jahrgang 1999
Auch 1999 war ein sehr guter bis Jahrhundertjahrgang für Weiß- und Rotweine. Auch wenn das Jahr durch die recht feuchtwarme Witterung während des Frühsommers ein ideales Pilzklima bedingte, konnten wir den Pilzbefall unter der Schadschwelle halten. Dadurch war der Ertrag geringer als in vergleichbaren Jahren und die Qualität unserer Weine steigerte sich.
Durch die etwas höhere Säure sind diese Weine haltbarer. Der 99er Spätburgunder Kabinett (als Tafelwein vermarktet) war durch seine etwas zu hohe Säure (6,3 g/l) lange etwas zu aggressiv. Er entfaltet sich nun zu seiner Stärke und wird nun im Geschmack immer runder. Sein großer Bruder, die Barrique Spätlese lässt ihr enormes Potential langsam erahnen.
Die Grauburgunder Spätlese ‚rubingold’, ein aus gesunden Ruländertrauben maischevergorener Weißwein mit goldrubiner Farbe hat seine Tannine mittlerweile schön eingebunden und zeigt sein Aromaspektrum von Wildrosen bis leichten Süßholzaromen formvollendet (leider ausverkauft*).
Jahrgang 1998
Der Jahrgang 1998 war etwas feuchter und daher etwas Botritis (Edelschimmel) – betonter. Dieser Jahrgang hat hervorragende Weißweine hervorgebracht, die nach wie vor auf ihrem Höhepunkt sind. Der 98er Oberrotweiler Henkenberg Riesling Spätlese trocken besticht nach wie vor durch seine Vollmundigkeit und seine ausgewogene Säure und den langanhaltenden Abgang. Ein Erlebnis für sich (jedoch leider ausverkauft*). Die etwas leichteren Spätburgunder sind noch voll entfaltet.
Jahrgang 1997
Dieser Jahrhundertjahrgang mit sehr hohen Mostgewichten hat lange Zeit überzeugt. Durch die etwas geringere Säure sind die Weißweine etwas weniger haltbar. Das heißt, nicht im Barrique ausgebaute Weißweine sollten getrunken sein. Weißweine aus dem Barrique sind noch auf ihrem Höhepunkt, sollten allerdings keine allzu lange Zeit mehr aufbewahrt werden. Der 97er Bischoffinger Enselberg Grauer Burgunder Spätlese Barrique mit 14,2% Vol. ist nach wie vor ein Gigant, sollte allerdings bald getrunken werden. Zum Wohl!
Die roten Barriqueweine zeigen sich nach wie vor von ihrer besten Seite, haben auch noch ein kleines Alterungspotential. Wenn Sie den 1997er Spätburgunder noch im Keller haben, freuen Sie sich auf seinen Genuss.
Jahrgang 1996
Ein exzellenter Jahrgang mit etwas höherer Säure und guten Mostgewichten (Oechsle). Die Weißweine präsentieren sich ursprünglich als frisch, spritzig. Sie sind mittlerweile ausgereift, dennoch noch nicht hinüber, haben ihren Höhepunkt jedoch bereits leicht überschritten. Auch die Spätburgunder sind durch die etwas höhere Säure langlebiger. Die Rotweine sind immer noch auf ihrem Höhepunkt. Als Barriqueweine ausgebaut bringen sie ihr Potential voll zur Geltung.
Der kürzlich von uns verkostete im Barrique gereifte 1996er Oberrotweiler Henkenberg Spätburgunder Kabinett trocken (bereits seit Jahren ausverkauft*) hat seine Tannine sehr schön eingebunden. Sie unterstreichen seine schöne Burgunderfrucht. Ein Wein, der den internationalen Vergleich bzw. den Vergleich mit seinen Geschwistern aus der Bourgogne nicht zu scheuen braucht.
*) Ausverkaufte Weine sind eventuell noch zu besonderen Anlässen (z.B. Hoffesten, Jubiläen, …) zu verkosten.
Jahrgang 1993
Ein exzellenter Jahrgang mit etwas höherer Säure und guten Mostgewichten (Oechsle). Damals als überzeugter Genossenschaftswinzer selektionierten wir für den Winzerverein Oberrotweil unseren Spätburgunder am 19. August. Meine Oma und ich standen am Weinbergshang und schnitten die etwas weniger blauschwarzen Trauben zu Boden, um den Ertrag zu reduzieren. Die fast schon reifen Trauben waren dazu aber eigentlich zu schade, sodaß wir kurzentschlossen die Herbsteimer richteten und eine Vorlese durchführten. Dieser 19.August-Wein entwickelte sich nach Aufzuckerung und Maischegärung zu einem recht ordentlich schmeckenden Rotwein (Hauswein). Gute vier bis fünf Wochen später erfolgte die Hauptlese: Das Jahr war allerdings durch eine Trockenperiode geprägt, sodaß die Trauben am Stock total eingeschrumpft waren. Mit 95 Grad Oechsle war dieser Wein gut im Alkohol, aber welche Konzentration! Aus diesen Trauben mußte ich unbedingt etwas für mich selber (Eigenbedarf) abzweigen und im kleinen Barrique ausbauen. Noch heute im Jahr 2006 ist dieser Wein noch voll auf seiner Höhe. Manche meinen er sei besser wie viele spätere Spitzenweine!
